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Das Wamms des Geräderten

  S. Christoph Schulze, Auff- und Abnehmen der löblichen Stadt Gardelegen etc. Stendal 1668 in 8. S. 52.

Im Jahre 1587 brachen eines Nachts zwei Diebe, Hans aus Braunschweig und Valentin Jenze, bei Perleberg gebürtig, in die St. Nicolaikirche zu Gardelegen ein und raubten aus dem verschlossenen Schranke in der Sacristei einen Kelch und mehrere andere Gefäße. Bei diesem Diebstahle wurden sie aber ertappt, indem der Küster Nicolaus Winkelmann das Licht in der Kirche gewahrte und die Wächter herbeirief. Der eine von ihnen wurde sofort festgehalten, der andere entkam zwar und versteckte sich, wurde aber am andern Tage auf dem Marstalle im Heu gefunden.

Beide wurden zum Tode verurtheilt und auch gerädert. Da geschah es, daß der Scharfrichter das Wamms des einen der Geräderten an einen Müllerknecht verkaufte. Zu diesem kam aber in der Nacht ein Gespenst, in der Gestalt des gerichteten Kirchendiebes, ans Bett und sprach: „Hörst Du nicht? gieb mir mein Wamms her!“ Der Müllerknecht aber zog das Wamms sein Leben lang nicht an.

Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau 1868/71, S. 199-200;