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Der Nachtjäger schenkt Schinken

  Golschow

Ein Bauer aus Golschow glaubte einmal des Nachts, als er betrunken von Drebkau nach Hause ging, den Nachtwächter blasen zu hören. In seiner Betrunkenheit kam ihm das so lustig vor, dass er die Töne nachahmte. Alsobald stand der Nachtjäger vor ihm und sprach: „Da Du mir so schön hast blasen helfen, so nimm diesen Schinken dafür.“ Der Bauer freute sich und zog mit seinem Schinken ab. Zu Hause legte er den Schinken auf die Bank, er selbst aber ging zu Bett.

Am andern Morgen besah er seinen Schinken. Da fand es sich denn, dass derselbe haarig und schmutzig war, auch nicht vom Schwein, sondern von einem Pferde herrührte. Der Schinken gefiel ihm nun ganz und gar nicht mehr. Er nahm ihn deshalb und vergrub ihn. Sobald er aber die Stube betrat, lag der Schinken wieder auf der Bank. Jetzt machte er eine viel tiefere Grube und barg darin den Schinken, allein als er in die Stube kam, lag derselbe wiederum auf der Bank. Jetzt machte er den Backofen heiss und schmorte den Schinken, bis er ganz verkohlt war. Sobald er aber die Stube betrat, lag der Schinken wieder auf der Bank.

In seiner Noth ging er zum Pfarrer. Der rieth ihm, er solle in der nächsten Nacht wieder blasen, wenn er den Nachtwächter höre, dann aber vom Nachtjäger, wenn er erschiene, Salz fordern, das könne dieser nicht beschaffen. Der Bauer that also. Da war der Schinken, als er nach Hause kam, verschwunden.

Quelle: Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche. Leuschner & Lubensky, Graz 1880